Südwürttemberg-Hohenzollern e.V.

Der Verband

Klein- und Obstbrennereien in Baden-Württemberg sind Traditionsbetriebe, die seit mehr als 200 Jahren von Generation zu Generation weitergeführt werden.

Die Brennerei ist für viele landwirtschaftliche Betriebe nicht nur ein unverzichtbarer Betriebszweig, für die Brennerinnen und Brenner ist diese Arbeit auch aktiver Umweltschutz.
Durch die Pflege der für unsere Region typischen Streuobstwiesen wird eine Kulturlandschaft erhalten die in Europa ihresgleichen sucht.
Individuelle gebietstypische Brände sind das Markenzeichen der Klein- und Obstbrenner.
Aufgabe des Verbandes ist die Bewahrung und Förderung dieser Brennereien.

Claudia Metzler
(Landesverbandsvorsitzende)

Konrad Volkwein
(1. stellvertretender Landesvorsitzender)

Hermann Stoppel-Heumesser
(2. stellvertretender Landesvorsitzender)

Geschichte

Ein Verband im Wandel der Zeit

In der harten Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Gründen von Vereinen und Verbänden von den Besatzungsmächten wieder zugelassen wurde, hat eine Gruppe von Brennereibesizern die Wiedergründung eines Brennereiverbandes geplant.


Auf diese Anregung hin wurden überall in den Kreisstädten Versammlungen abgehalten und Kreisverbände gegründet. Die Versammlungen bestellten immer einen Vorsitzenden und einen Kassier. Meist sind auch alle Teilnehmer dieser Gründungsversammlungen sofort dem Verband beigetreten.

Im Juli 1948 verschickte Stefan Mennel aus Wangen-Neuravensburg Einladungen, zu der am 9. August 1948 um 10 Uhr, im Gasthaus "Krone" in Sigmaringen stattfindenden Neuaufrichtung bzw. Gründungsversammlung der Obst- und Kleinbrenner von Württemberg und Hohenzollern.

In dieser Versammlung wurde der Landesverband gegründet. Es wurde eine entsprechende Satzung verabschiedet und Stefan Mennel zum Vorsitzenden gewählt. Albert Schlotterbek wurde zum Stellvertreter bestellt.

Der Verband konnte nun seine Geschäfte aufnehmen. Im Laufe des Jahres 1948 mußte die beschlossene Satzung auch der Militärregierung vorgelegt werden, welche die Satzung jedoch nicht genehmigte. Der Hauptgrund zur Ablehnung war, daß das Verhandsgebiet größer war, als das Gebiet der damaligen französischen Militärregierung. Weiterhin lagen auch noch nicht alle Gründungsprotokolle der Kreisverbände vor.


So mußte die Satzung überarbeitet und den Wünschen der Militärregierung angepasst werden.

 

Zur nächsten Jahreshauptversammlung (Landesversammltung) am 27. Mai 1949 wurde eine überarbeitete Satzung vorgelegt und verabschiedet.


Der Verband bekam nun auch seinen noch heute gültigen Namen:


Verband der Klein- und Obstbrenner in Südwürttemberg-Hohenzollern.


Die neue Fassung der Verbandssatzung wurde in deutscher und französischer Ausfertigung nun erneut der Militärregierung vorgelegt, welche diese dann auch ohne Beanstandung genehmigte.

Stephan
Menel

 

Zu erwähnen ist noch, dass der 1.Vorsitzende Herr Menel während dieser Sitzung am 27.Mai 1949 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und sein Amt an seinen bisherigen Stellvertreter Herr Schlotterbeck weitergab. Zum neuen Stellvertreter wurde Herr Anton Probst aus Ravensburg-Torkenweiler gewählt.


Albert
Schlotterbeck

Die ersten Jahre der Arbeit waren geprägt von vielen Verhandlungen mit den Zollverwaltungen. Es wurden die Übernahmepreise ausgehandelt und es gab Probleme bei verschiedenen brennrechtlichen Fragen sowie damals schon bei den Ausbeutesätzen. Auch aufgrund der guten Zusammenarbeit mit dem 1950 gegründeten Bundesverband Deutscher Obst- und Kleinbrenner konnte viel für die Mitglieder erreicht werden. Dieser Bundesverband in welchem wir heute mit 7 weitere Landesverbände einen starke Intressengemeischaft bilden, verhandelte schon damals mit den Politikern unserer Republick und allen Dienststellen welche sich mit Alkohol und dem Brennereiwesen beschäftigen.

Die Bildung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und später der Europäischen Union brachte neue Probleme für die Klein-Brenner mit sich. Es wurde notwendig über unseren Bundesverband auch auf europäischer Ebene Verbindungen aufzunehmen und Kontakte zu knüpfen. So wurde z.B. auch die Europäische Alkoholunion gegründet. Ständige Gefahren für das Branntweinmonopol, sei es durch Kräfte in Deutschland oder durch Forderungen in Europa eine Agraralkoholmarktordnung ins Leben zu rufen, konnten immer wieder auch Dank der Hilfe der Politik abgewendet werden.

Der Landesverband Südwürttemherg-Hohenzollern, 1949 mit 18 Kreisvcrbänden gegründet, hat heute durch Fusion von Kreisverhänden noch 13 Bezirksverhände. Sie alle kommen ihrer Funktion, den Brenner in allen Brennereifragen zu beraten und zu informieren mit grossem Angagement nach.

Nach 25 jähriger Tätigkeit als Vorsitzender des Verbandes trat Albert Schlotterbek aus Rücksicht auf seine Gesundheit zurück. Die Landesversammlung wählte ihn auf Grund seiner Hohen Verdienste um das Brennereiwesen zum Ehrenvorsitzenden.

Nachfolger wurde im Jahre 1974 Walter Böhmer aus Ettishofen, Bezirk Ravensburg.
Herr Walter Böhmer, der Landwirt und Brennereibesitzer war, kannte sich bestens aus mit den Sorgen und Wünsche seiner Verbandsmitglieder. In seine Amtszeit fiel die Einführung der Mehrwertsteuer und der Vorschlag, die Kleinbrennereien abzuschaffen und durch Genossenschaftsbrennereien zu ersetzen. Der energische und geschlossene Widerstand aller organisierten Kleinbrenner konnte dies jedoch verhindern.
Ebenfalls unter dem Vorsitz von Herrn Böhmer hat der Verband erstmals einen Informationsstand mit Schnapsverkauf auf der Obst- und Gartenausstellung in Friedrichshafen eingerichtet. Das starke Interesse der Messebesucher hat den Verband veranlaßt dies als eine bleibende Einrichtung beizubehalten.
Ein Kriegsleiden hat den Vorsitzenden Böhmer 1985 nach 11 Jahren Tätigkeit für den Verband veranlaßt, den Vorsitz aufzugeben. Er wurde von der Landesversammlung einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt.


Walter
Böhmer

Zur gleichen Stunde wurde Herr Rupert Lehle vom Bezirksverband Tettnang zum Landesvorsitzenden, sowie Herr Anton Probst jun. aus Ravensburg-Torkenweiler zum stellvertretenden Landesvorsitzenden bestellt.
Für dieses neue Führungsteam (beide Landwirte und Brennereibesitzer) galt es nun das von den Vorgängern Erreichte zu erhalten und Neues zum Wohle der Brenner in Südwürttemberg Hohenzollern anzugehen.
Hierzu gehörte auch die Durchführung der ersten Branntweinprämierung, welche in Zusammenarbeit mit dem Landesverband Nordwürttemberg stattfand.

Nicht nur der kollegiale Wettstreit sollte den Brennern ein besonder Anreitz sein, sondern auch die Chance die prämierten Produkte für den Endverbraucher sichtbar attraktiver zu machen und als geprüfte Qualitätsspirituose anbieten zu können.

In der Hauptversammlung der Vorsitzenden und Delegierten aller Bezirksverbände in Sigmaringen, am 7.3.2001 trat Rupert Lehle als Landesvorsitzender zurück.
Rupert Lehle wurde von den Vorstandsmitgliedern und den anwesenden Gästen goßer Fleiß, Tatendrang sowie hohe Kompetenz und Besonnenheit bescheinigt. Seine Verdienste um den Verband wurden mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden entsprechend gewürdigt.


Rupert
Lehle

Frau Claudia Metzler, Landwirtschaftsmeisterin und Bäuerin aus Bodnegg wurde in dieser Hauptversammlung einstimmig zur Nachfolgerin gewählt.

In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesverband setzt Sie sich nicht nur für die Belange der über 3000 Kleinbrenner im Verbandsgebiet ein, sondern auch für den Erhalt der noch bestehenden ökologisch wertvollen Streuobstwiesen. Die Verwertung von Obst über den Brennkessel ist von existenzieller Bedeutung für den weiteren Bestand dieser regionaltypischen Kulturlandschaft.


Claudia
Metzler